oder ein ernster Ruf an die Eltern zur christlichen Erziehung ihrer Kinder.
Von R. Arvisenet.

Nach dem Französichen bearbeitet von L. Jung, Priester des Bisthums Straßburg.
Mit bischöflicher Approbation

Gesetz und guter Rath. Sprüche Salomon. III,21.
Garmensdorf, gedruckt in der Keller´schen Buchdruckerei. 1850.

Approbation

Die Schrift: Vergissmeinnicht für christliche Eltern von Urvisenet, nach dem Französischen bearbeitet von L. Jung, Priester des Bisthums Straßburg, steht im Einklange mit der katholischen Unterweisungen und erbaulichen Beispielen und erhält somit unsere bischöfliche Approbation.
Straßburg den 7. Juni 1843.
Andreas, Bischof von Straßburg.

Einige Worte der Ermahnung. Seite V

Christliche Eltern! im Namen Jesus und seiner geliebten, göttlichen Mutter, werdet ihr gebeten, dieses wahrhaft goldene Büchlein zu lesen, und wieder und wieder zu lesen; denn es enthaltet jehne Lehren, Grundsätze und Beispiele, durch deren treue Anwendung, ihre euere Kinder, euch selbsten und die Nachkommen glücklich machen könnet. O wer weiß nicht, daß in unsern Tagen ein unglückseliger Geist der Zerstreuung des Leichtsinnes, des Ungehorsames, ja ein wahrhaft böser, die Grundlageen des zeitlichen und ewigen Heiles zerstörender Geist, sich der Jugend bemächtigt hat. Wahrlich kein Sterblicher, sondern nur der Allwissende vermag die hieraus entstehenden schrecklichen Folgen zu ermessen.

Schaudert zurück, ihr christlichen Eltern! vor dem sich öffnenden Abgrunde, und thut Alles, um euch, euere Kinder und Nachkommen nicht in denselben hinabzustürzen. Das könnet und sollet ihr thun, durch eine ernste christliche Erziehung, wozu ihr von euerm einstigen gerechten Richter auf das strengste verbunden seid. Hiezu ertheilt euch dieses ausgezeichnete Büchlein alle nötigen Lehren, Ermahnungen und Gebetsanweisungen, darum benutet es auf das fleißigste, dazu möge euch helfen, Gott der Vater mit seiner Allmacht, Gott der Sohn mit seiner Weisheit und Gott der hl. Geist mit seiner Liebe und Gnade.
Ein Freund guter Erziehung.

 


 

Inhalt

Vorwort an die Eltern … V

Erstes Kapitel. Stand und Beruf der Eltern ……….. 1
Zeites Kapitel. Schreckliche Rechenschaft die Gott von den Eltern fordern wird ….. 3
Drittes Kapitel. Von der überaus großen den Eltern verheißenen Belohnung …………. 6
Viertes Kapitel. Von den glücklichen Folgen der guten Erziehung ……………………. 8
Fünftes Kapitel. Von den bösen Folgen der schlechten Erziehung ……………………. 12

Sechstes Kapitel. Die gute Erziehung der Kinder als das wichtigste Geschäft der Eltern … 15
Siebentes Kapitel. Von der ersten Sorgfalt der Eltern für ihre Kinder ………………… 19
Achtes Kapitel. Von der Liebe, welche die Eltern den Kindern schuldig sind ………….. 23
Neuntes Kapitel. Von der Nahrung und dem Unterhalte der Kinder …………………….. 27
Zehntes Kapitel. Von dem Unterrichte der Kinder …………………………………… 31

Zwei und zwanzigstes Kapitel. Vom Berufe der Kinder …………………….. 73

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Belehrende und erbauende Züge.
I. Adams Fall …………………………………………………. 81
II. Lot ………………………………………………………. 82
III. Abraham …………………………………………………… 83

IV. Jakob und Joseph …………………………………………….. 85
V. Dina …………………………………………………… 87
VI. Anna, Samuels Mutter ……………………………………. 88

VII. Der alte Tobias ………………………………………… 89
VIII. Der junge Tobias ………………………………………. 91
IX. Der fromme Job ………………………………………….. 92

X. Der Prophet Baruch ………………………………………… 93
XI. Eleazar ………………………………………………….. 94
XII. Die machabäische Mutter …………………………………… 95

XIII. Leonides, Vater des Origenes ……………………………… 96
XIV. Die Mutter des heil. Simphorian ……………………………. 97
XV. Erziehung der heil. Monika …………………………………. 98

XVI. Patrizius, Vater des heil. Augustinus ……………………….. 100
XVII. Besorgnisse der heil. Monika für ihren Sohn Augustinus ………… 101
XVIII. Zehn von ihrer Mutter verfluchte Kinder …………………….. 103

XIX. Schreiben des heil. Hironimus an die Wittwe Läta ……………….. 104
XX. Der heil. Clemens von Uncyra, Märtirer ………………………… 105
XXI. Die heil. Julitta, Mutter des heil. Duiticius ………………….. 107

XXII. Aletha, Mutter des heil Bernardus …………………………….. 108
XXIII. Der vom heil. Johannes einem Bischofe anvertraute Jüngling ……….. 109
XXIV. Die heil. Theresia ……………………………………………. 110
XXV. Die Königin Blanka, Mutter des heil. Ludwigs ……………………… 111

XXVI. Ermahnungen des heil. Ludwigs an seinen Sohn Philipp ……………….. 112

XXVII. Christliche Väter im japanischen Reiche. …………………………. 115
XXVIII. Geistliches Testament. ………………………………………… 116
XXIX. Judith, Anna, Fürstin von Hohenlohe ………………………………. 125

 


 

Erstes Kapitel. Stand und Beruf der Eltern ……….. Seite 1

1. Ich, euer Gott und Herr, bin der Schöpfer des Himmels und der Erde; nach meinem Ebenbilde habe ich Mann und Weib geschaffen, damit sie da herrschen über die ganze Erde.

Ich bin der Ewige, der Unendliche, der Allmächtige, ohne Anfang und ohne Ende; und Alles, was im Himmel und auf Erden ist, habe ich meinetwegen für meine Ehre erschaffen; besonders aber habe ich zu meiner Ehre den Menschen, Mann und Weib, nach meinem Ebenbilde erschaffen.

Unter allen Geschöpfen, die da auf Erden leben, habe ich dem Menschen allein eine unsterbliche Seele eingehaucht und ihn mit Vernunft gebabt; und dieß habe ich gethan, damit der Mensch für mich lebe und mir die schuldige Ehre und Anbetung erweise.

2. Gott erkennen auf dieser Erde, ihn lieben und ihm dienen, um ihn ewig im Himmel zu besitzen, dazu bestimmte der Schäpfer Mann und Weib und ihre ganze Nachkommenschaft.

Um seine Diener und Anbeter zu vermehren, segnete er Mann und Weib und sprach zu ihnen: Wachet und mehret euch.

Was seid ihr also, christliche Eheleute, was seid ihr euerm Stande und Berufe nach? Fasset es wohl zu Gemüthe und vergesset es niemals.

Ihr seid Diener Gottes, und aus keiner andern Absicht habet ihr euch verehelichen sollen, als um mit einander Gott zu dienen und die Zahl seiner getreuen Diener in euern Kindern zu vermehren.

Dass Thier lebt und vermehrt sich für des Menschen Dienst; der Mensch hingegen soll nur zum Dienste Gottes leben und sich vermehren.

Das Thier kann sich bei der Ernährung seiner Jungen nicht von der ihm durch den Schöpfer angewiesennen Bestimmung entfernen, weil der natürliche Trieb, den Gott ihm gegeben, es nicht freiläßt.

Der Mensch hingegen kann, bei der Erziehung seiner Kinder, sich von Gottes Absichten entfernen, weil er mit Freiheit begabt, das Gute oder das Böse erwählen kann.

Das Thier erwirbt sich durch die Sorgfalt für seine Jungen keine Verdienste, weil es blindlings dem natürlichen Triebe nachkömmt; der Mensch aber, erzieht er seine Kindern für Gott, ehret daduch sinen Schöpfer und verdinet Belohnung.

Das Thier, weil es unvernünftig ist, kann an seinen Jungen keinen Fehler begehen; Mann und Weib hingegen, weil sie mit Vernungt und Erkenntnis begabt sind, ziehen sich den Zorn des allmächtigen Gottes zu, wenn sie als Eltern von ihres Schöpfers Absichten sich entfernen.

3. Großer Gott! für den wir erschaffen sind, un in dem wir Dasein, Leben und Bewegung haben, erfülle uns mit jenen Gesinnungen des Glaubens und der Religion, die wir im heiligen Ehestande haben sollen, und ohne welche wir uns unter dei unvernünftigen Thiere herabwürdigen würden.

Weil wir für dich, o Herr erschaffen sind, gib und die Gnade, in Allem nur aus Liebe zu Dir zu handeln, und den uns von Dir anvertrauten Kindern eine so christliche und heilige Erziehung zu geben, daß sie die Zahl Deiner Anbeter im Geiste und in der Wahrheit, die Zahl Deiner getreuen Diener vermehren, und endlich mit uns ewiglich Dich im Himmel preisen und verherrlichen mögen.

O heilige und unbefleckte Jungfrau Maria, die due ehemals zu den Dienern der Eheleute zu Kana gesprochen: Thuet Alles, was jesus euch sagen wird; – erhalte durch diene gütige Fürbittee uns die Gnade, Alles das, was Gott in unserm Stande uns sagt, getreu zu erfüllen.

Und ihr, unsere lieben Schutzengel, bitte für uns und stehet uns bei, daß wir den Absichten Gottes vollkommen entsprechen.

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Zeites Kapitel. Schreckliche Rechenschaft die Gott von den Eltern fordern wird ….. 3

1. Wehe dem, der ein kleines Kind ärgert, heißt es im Evangelium, dem wäre es besser, daß ein Mühlsten an seinen Hals gehängt, und er in die Tiefe des Meeres versenket würde.

Geschrieben steht es im Evangelium, daß der allmächtige und gerechte Richter zu den Gottlosen sprechen wird: Weiche von mir, ihr ……………..





XXVI. Ermahnungen ……………….. 112
des heil. Ludwigs an seinen Sohn Philipp.

Mein Sohn, vor Allem empfehle ich dir an, Gott den Herrn von ganzem Herzen und über Alles zu lieben; denn ohne diese Liebe kann niemand selig werden.

Hüte dich sorgfältig, daß du nichts thuest, was ihm mißfällt, das heißt, daß du nicht sündigest; denn bereit sollst du sein, eher alle Qualen zu erleiden, als nur eine Todsünde zu begehen.

Wenn Gott ein Unglück über dich kommen läßt, so imm es mit gutem Herzen an, danke ihm dafür, und bedenke, daß du es durch deine Sünden verdienst, daß es aber auch zu deinem Nutzen gereichen werde.

Schenkt er dir Glück, so danke ihm mit aller Demuth, und nehme dich wohl in Acht, dadurch nicht zum Hochmuthe oder zu einer andern Sünde dich verlieten zu lassen; denn man muß die Gaben Gottes nicht dazu gebrauchen, ihm zuwieder zu handeln.

Beichte oft, und wähle dir einen geschickten Beichvater, von erprobter Tugend und Weisheit, der im Stande ist, dir sichere Lehren zu ertheilen und dier einzuprägen, was du um des Heiles deiner Seele willen zu thun und zu meiden hast.

Whne mit Andacht dem Dienste Gottes und der heiligen Kirche, unserer Mutter, bei; bete während desselben mit Herz und Mund, hauptsächlich bei der heiligen Messe, nach der Wandlung, ohne mit Jemanden dich zu unterhalten oder zu reden.

Sei eines sanftmüthigen und mitleidigen Herzens; tröste die Armen, und stehe ihnen nach Vermögen bei.

Hast du Anliegen oder Unruhe in deinem Innern, so entdecke es alsobald deinem Beichvater oder einer andern, verständigen und frommen Person, deren Worte dich erbauen und belehren können. So wirst du aufrecht erhalten und ermüthigt werden, das dier zugestopene Ubel leichter zu ertragen.

Siehe darauf, vernünftige, tugendhafte, rechtschaffene, uneigennützige Personen um dich zu haben; und vermeide den Umgang mit den Bösen.

Sei eifrig, das Wort Gottes anzuhören und es im Herzen zu bewahren.

Vernachlässige keine Gelegenheit, den öffentlichen Gebeten und Andachten beizuwohnen und dir Abläße zu gewinnen.

Halte auf deine Ehre. Erlaube nicht, daß in deiner Gegenwart Jemand sich erfreche, etwas zu reden, das zur Sünde reizen könnte; laß nicht zu, daß man in deiner Gegenwart, durch Verläumdung oder Ehrabschneidung, den guten Namen einer an-/ oder abwesenden Person angreife.

Erlaube nicht, daß man gegen die Ehre Gottes, der heiligen Mutter Maria oder sonst eines Heiligen rede.

Danke oft den lieben Gott für Alles, was er dir an Gütern und an Segen wird zukommen lassen.

Übe und schaffe Gerechtigkeit für Jedermann, für den Armen wir für den Reichen.

Sei sanft, billig und freigebig gegen deine Dienerschaft; rede wenig und werde nicht zu gemein mit ihnen, damit sie dich als ihren Herrn fürchten und lieben.

Entsteht irgend ein Proceß oder eine Streitfrage, so suche mit Sorgfalt die Wahrheit zu erkennen, sei es für oder gegen dich.

Wenn man dich aufmerksam macht, daß du durch deine eigene Schuld oder aber durchr jene deiner Vorfahren Etwas für das Deinige hälst, das doch einem Andern gehört, so statte es alsbald zurück.

Ehre deinen Vater und deine Mutter, und hüte dich wohl, sie zu beleidigen durch Ungehorsam gegen ihre guten Befehle.

Die Ausgabe in deinem Hause sei billig und mäßig; Uebertriebenes sollst du nichts haben.

Mein Sohn, ich beschwöre dich, gedenke meiner und meiner armen Seele; komm mir zu Hülfe durch Messen, Andachten, Gebete, Almosen und gute Werke, und schenke mir Antheil an allem Guten, das du verrichten wirst.

Ich gebe dir allen Segen, den ein Vater seinem Sohne geben kann, und ich bitte die allerheiligste Dreifaltigkeit, den Vater und den Sohn un den heiligen Geist, dich zu beschützen und vor allem Übel zu bewahren, besonders daß du nicht in einer Todsünde sterbest; damit wir nach diesem Leben beisammen vor Gott sein können, ihm ewig Dank und Lob zu sprechen im himmlischen Reiche. Amen.

Christliche Eltern, bedenket es wohl, diese frommen und heiligen Ermahnungen schriebe Ludwig IX., König von Frankreich, mit eingener Hand für seinen Sohn auf. Benutzet sie, um auch euern Kindern heilsame Lehren und Grundsätze einzuprägen. Durch euer eigenes Beispiel müsset ihr aber, wie der heilige Ludwig, euern Kindern die Tugend angenehm machen. Wünschet ihr den nicht auch, mit euern Kindern einstens ewig glücklich zu werden?



XXVII. Christliche Väter im japanischen Reiche. …………………………. 115

Unter der Regierung des gruasamen Toroguersame, Kaisers von Japan, gab es Väter, die ihre Söhne prüften, ob sie bereit wären, für den katholischen Glauben Marter und Td zu ertragen. Zur Erprobung ihrer Festigkeit gaben sie den Knaben auf, glühende Kohlen in die Hände zu nehmen. Und, siehe da, die Knaben ergriffen muthigen Sinnes die feurigen Kohlen, ohne einen Schmerzenslaut von sich zu geben.

Auch ihr, christliche Eltern, könnet und sollet eure Kinder darauf vorbereiten, die Verspöttungen und Verfolgungen der bösen Menschen mit Geduld zu ertragen, besonders wenn es um die Religion zu thun ist. Gebet ihnen selbst das Beispiel hiezu.



XXVIII. Geistliches Testament ………………………………………… 116
einer adeligen Dame für ihre Töchter.

Meine innigst geliebten Töchter!

Vernehmet aufmerksam und bewahret sorgfältig in euerm Herzen die letzten Ermahungen und Lehren die eure Mutter an euch richtet, aus liebe zur Religion und aus liebe zu euch. Ihr wisset, daß ich euch immer geliebt habe, und bis an mein Ende werde ich euch lieben; dieses Ende ist nicht mehr fern, den meine letzte Stunde ist gekommen; und auf meine Todesbette will ich euch Lehren ertheilen, die das kostbarste Erbtheil sind, welches eine christliche Mutter ihren Kindern hinterlassen kann.

I.
Der erste Gegenstand den ich berühre, und den ich mit allem Rechte als euer Hauptgeschäft ansehe, ist eure Religion, euer Glaube. Glücklich werdet ihr sein, meine Töchter, so lange der Glaube die Richtschnur eures Wandels sein wird, so lange ihr die Grundsätze und Vorschrichriften der Religion getreu befolgen werdet. ………………





Schließlich noch ein Beispiel von
XXIX. Judith Anna, Fürstin von Hohenlohe ………………………………. 125
Mutter des, durch seine wunderbaren Gebetserhörungen berühmten Fürsten Alexander von Hohenlohe.

Judith Anna Fürstin von Hohenlohe war im Jahre 1751 in Ungarn geboren. Ihre frommen Eltern zogen sie frühzeitig zum Gebet, zur Arbeitsamkeit und Gottesfurcht, und legten so, als pflichtgetreue Eltern, den Grund ihres zeitlichen und ewigen Heiles.

Kaum war die Fürstin fünf Jahre alt, so war das fromme Gebet ihr eine Freude, daß die Mutter sie oft vom hausaltare abrufen mußte, zum Unterrichte und zur Arbeitsamkeit. Sie zeichnete sich durch Einsammkeit, Frömmigkeit und Fleiß, auch durch eine solche Liebe zum Almosen aus, daß sie sich oft an den Speisen Abbruch that, um selbe den Hausarmen mittheilen zu können. Auf diese Weise wurde die Fürstin von ihren Eltern gut und fromm erzogen, auch wieder eine gute und frome Mutter für ihre Kinder.

O liebe christliche Eltern! wollet doch in dem so äusserst wichtigen Geschäfte der Kindererziehung dieser frommen Fürstin nachfolgen, darum beobachtet, was sie gethan. Sie opferte täglich ihre Kinder dem leiben Gott und Vater auf. Ich bete, – sprach sie oft – viel für euch, meine lieben Kinder! – sie erzählte ihnen vile lehrreiche Geschichten, und edete jede mit den Worten: „sehet – wie gut der liebe Gott ist, er ist unser aller Vater, darum beten wir täglich zu ihm, Veter unser der du bist im Himmel, ja er ist der beste, leibste Vater, den wir daher recht von Herzen lieben wollen. Ihr müßt auch Alles thun, was ich euch in seinem Namen sage. Der liebe Gott hat mich euch zur Mutter gegeben, daß ihr mir folget, und wenn ihr mir folget, so folget ihr auch den lieben Gott. Sehet – vile Kinder haben keinen Voter und keine Mutter mehr, haben oft wenig oder kein Brod mehr zu essen – leiden Hunger, haben im kalten Winter keine warmen Kleider, keine warme Stube, kein Bett und müssen armselig auf den Stroh liegen. Ihr aber müßt keine Noth leiden ihr habt alles das Nothwendige, darum danket dem lieben Gott recht sehr, und seid recht fromm fleißig und gehorsam. Ihr Sohn, der fromme Fürst Alexander von Hohenlohe, beschreibt die gute Erziehung und die kräftigen Folgen derselben, mit folgenden Worten: „Den ersten Religionsunterricht erhielt ich von meiner Mutter, und zwar so bald ich reden konnte. Sie lehrte mich, daß Alles Gute von Gott kommt, daß er alle Freuden gibt, daß er von den Kindern Gehorsam und Wahrhaftigkeit verlangt. Meine Mutter sprach nie von Gott, außer in Stunden, wo ich heiter und voll kindlichen Frohsinnes war; sie sprach von ihm nach jeder Freude, die mir zu theil wurde, nach jedem Geschenke, das ich bekam, nach jeder Gefahr, dich ich überstanden; auch wußte sie dem inde eine solche Richtung zu geben, daß das Gebet, ohne es erst dazu aufzufordern, ihm ein Bedürfnis wurde. Die eingene hohe Frommigkeit meiner Mutter wußte uns auf ganz sinnreiche Weise religiöse Gesinnungen einzuflößen, und durch den Ausdruck ihrer Stimme, so wie durch kleine Erzählungen von Gott, der fromme Kinder so sehr liebt unser Gefühl für die Religion zu wecken. Dank dir vielgeliebte Mutter! Ewig bleibe ich dein Schuldner! So oft den Blick, dein Wandel, deine Leiden, dein Schweigen, deine mütterliche Hand, die uns Kinder Morgens und Abends segnete, und deine betende Stellung mir in´s Auge trat, ward schon von meiner fürhesten Jugend an die Sehnsucht nach dem Himmel, das Gefühl der Religion mir wir angeboren, und so tief in mein Herz geprägt, daß späterhin kein Begriff, keine Zweifel, kein Reiz, kein entgegengesetztes Beispiel, kein Leiden, kein Druck, ja sogar keine Sünde dasselbe ertödten konnte.“ – Die gute, fromme Mutter bezog alles auf Gott, und führte Alles auf ihn zurück, und weihte so täglich sich, das Haus und die Kinder zum Dienste Gottes. Am Morgen und am Abend, vor und nach dem Tische und in andern freien Augenblicken des Tages betete sich als Hausmutter für die Ihrigen und zwar so oft mit den Hausgenossen. An Sonn- und Festtagen las sie aus einen Evangelienbuche, so wie täglich in der Nachfolge Christi. Und wenn die Lasten des Tages und die Bürde der Muttersorgen das Gemüth, das zu Gott auflicken wollte, etwas niederbeugten, und es kündete sich durch das Glockengeläute ein Festtag des Herrn an, so nahm der niedergebeugte Geist einen neuen kräftigen Schwung. Und diese bei ihr sich wiederholende Sammlung des Gemüthes, diese sich immer erneuernde Selbstopferung zum Dienste des Herrn, ward für sie eine wahre nährende Flamme der Andacht in der Kirche. Den Anblick der betenden Gemeinde faltete auch ihre Hände in der heiligen Stätte, wo sie in andächtiger Stellung und tiffster Inbrust von dem Altare des Herrn kniete und im Glauben und Liebe den Erlöser im heiligsten Altarssakramente anbetete.

Da Andacht in ihrem Herzen, – in ihrem Haus, un in der Kirch ebei ihr herrschte, war auch ihr ganzer Lebenslauf eine fortgesetze Andachtstunde. Ihre ganze Familie war ein schönes Ganzes, den die Liebe band die Kinder an die Mutter, die Mutter an den Mann, den Mann aber an Gott, und Gott war ihnen Alles in Allem. Nach dem Tode ihres Mannes wandte sie alle Mühe an, ihre Mutterpflichten gegen ihre Kinder treu zu erfüllen. Sie vertrat Mutter- und Vaterstelle mit aller Sorgfalt. Gott segnete ihre eifrige, fromme und gottesfürchtige Erziehung, sie erlebte Freude an ihren Kindern – besonders an dem allbekannten Fürsten Alexander von Hohenlohe, bei welchem sie ihre letzen Lebensjahre, in ausgezeichneter Frömmigkeit zubrachte, und in dessen Armen sie im Jahre 1836 in ihrem 86 Lebensjahre reich an Verdeinsten, un wohlgetrost im Herrn verschied, um jenseits bei ihrem lieben Gott und Vater die Ewigen Freuden zu genießen.

Wollet also gelibte christliche Eltern! diesem und den übrigen angeführten Beispielen treu und gewissenhaft nachfolgen und euere Kinder christlich, gut und fromm einzeihen, damit ihr so, gemäß der euch obliegenden strengen Pflicht – zum zeitlichen und eweigen Wohle euerer Kinder und Nachkommen das eurige betraget.

Gott und seine gnadenvolle Mutter seine mit euch und euern Kindern.

 


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