Gedenkblätter für die christliche Jugend von P. Adolph v. Doß

Prister der Gesellschaft Jesu. Dritte Auflage. Mit der Nr. 69, Mainz, Verlag von Franz Kirchheim. 1881

Vorrede zur ersten Auflage.
Das Gesetz vom 4.Juli 1872, welches die Gesellschaft Jesu im neuen deutschen Reiche unterdrückt, ist bekannt genug. Durch die so ungerechtfertigte, weit über den Wortlaut hinausreichende Anwendung dieses Gesetzes zu unfreiwilliger Muße verurtheilt, aus der Schule, aus dem Beichtstuhle, von der Kanzel, ja selbst vom Altare vertrieben, verjagt überdies von der Stätte langjährigen Wirkens und von Ort zu Ort gehetzt: versuche ich nur mehr über das geschriebene Wort als Mittel des Verkehrs mit Jenen, welche mir einst nahe standen. Und dennoch – wann wäre es mir je ein größeres Bedürfnis gewesen, mit Euch meine jungen Freunde, zu verkehren und wohlgemeinte Worte der Warnung, der Belehrung, des Trostes, der Ermunterung an Euch zu richten, als jetzt? So seien denn diese Zeilen Euch gewidmet, – Euch, deren Jugend Zeuge ist so ernster Kämpfe, – Euch, denen sich unaufhörlich der Gedanke aufdrängen muß: der Kampf, der um mich wogt, gilt Interessen, welche auch die meinigen sind; er ist ein Kampf sogar, an dem auch ich, wenngleich noch jung, schon theilnehmen kann und soll – durch festes Einstehen für meinen Glauben, durch unabläßiges Ringen nach Herrschaft über mich selbst, ja nach Vervollkommung meines ganzen Ich; ein Mann will ich dereinst werden in des Wortes ganzer Bedeutung, und kein Sturm, rasete er auch noch so heftig, soll mich je hinwegfegen von der Tenne, die da ist die Eine, heilige, katholische Kirche.

So nehment denn zuweilen in einsamen Augenblicken diese Gedenkblätter zur Hand, durchgehet bedachtsam den einen oder den anderen Abschnitt, wendet das Gelesene auf Euch an und bittet dabei Gott um die Gnade, nicht bloß zu erkennen, sondern auch zu üben, – „Domine, ut videam“ et – agam!

In der Verbannung, im Winter 1872 auf 73. A. v. Doß

Inhalt.

1. Die Reinheit, des Jünglings Leuchte…………………………………………. Seite 1
2. Die Reinheit, gefeiert in der heiligen Schrift ………………………………… Seite 4
3. Die Reinheit, verherrlicht durch Christi Beispiel ……………………………… Seite 7
4. Die Reinheit, gepriesen von den Lehrern der Kirche …………………………….. Seite 11
5. Die Reinheit, verehrungswürdig in sich ……………………………………….. Seite 14
6. Die Reinheit, erhaben in ihren Beziehungen zu den Engeln ……………………….. Seite 18
7. Die Reinheit, ruhmreich durch die Kämpfe, welche sie bewahren oder wiedergewinnen ……………. Seite 21

8. Die Reinheit, ein kostbares, aber zerbrechliches Gefäß …………………………. Seite 25
9. Die Reinheit, eine Lilie ……………………………………………………. Seite 29
10. Die Reinheit, eine Perle ……………………………………………………. Seite 32
11. Die Reinheit, die Frucht heiliger Furcht Gottes ……………………………….. Seite 36
12. Die Reinheit, die Frucht hochherziger Liebe Gottes …………………………….. Seite 40
13. Die Reinheit, die Frucht zarter Aufmerksamkeit auf das Gewissen …………………. Seite 43
14. Die Reinheit, die Frucht beharrlicher Wachsamkeit ……………………………… Seite 46

15. Die Reinheit, die Frucht ernster Strenge ……………………………………… Seite 50
16. Die Reinheit, die Frucht des Gebetes …………………………………………. Seite 54
17. Die Reinheit, die Frucht des heiligen Bußsakramentes …………………………… Seite 58
18. Die Reinheit, die Frucht kindlicher Offenheit …………………………………. Seite 61
19. Die Reinheit, die Frucht des Brodes der Engel …………………………………. Seite 66
20. Die Reinheit, die Frucht des Andenkens an das bittere Leiden Jesu ……………….. Seite 70
21. Die Reinheit, die Frucht der Hingabe an das heiligste Herz des Erlösers …………………… Seite 74

22. Die Reinheit, die Frucht der Kenntnis und Verehrung der reinsten Jungfrau …………. Seite 77
23. Die Reinheit, die Frucht der Nachahmung der Heiligen ……………………………. Seite 81
24. Die Reinheit, die Frucht tiefwurzelnden Abscheu´s gegen jegliche Unlauterkeit ……… Seite 85
25. Die Reinheit, die Frucht der Weltverachtung ……………………………………. Seite 89
26. Die Reinheit, die Frucht der Vorsicht im Verkehre mit den Menschen ……………….. Seite 92
27. Die Reinheit, die Frucht der Arbeitsamkeit …………………………………….. Seite 95
28. Die Reinheit, die Frucht unablässigen Kampfes ………………………………….. Seite 100
29. Die Reinheit, die Frucht großmüthiger Selbstüberwindung …………………………. Seite 105

30. Die Reinheit, die Quelle wohlthuendsten Friedens ………………………. Seite 109
31. Die Reinheit, die Quelle heiligen Frohsinns …………………………… Seite 112
32. Die Reinheit, die Quelle vielfacher irdischer Segnungen ………………… Seite 117
33. Die Reinheit, die Quelle geistiger Frische und Kraft …………………… Seite 120
34. Die Reinheit, die Quelle heilsamen Einflusses auf Andere ……………….. Seite 124
35. Die Reinheit, die Quelle richtiger Entscheidung, anlagend die Zukunft ……. Seite 129
36. Die Reinheit, die Quelle trostreicher Erinnerungen in späterem Alter …….. Seite 134
37. Die Reinheit, die Quelle besonderer Erleichterung in der ernsten Sunde des Hinganges ……… Seite 138
38. Die Reinheit, die Quelle vorzüglicher Verherrlichung im Reiche der Glorie ……………….. Seite 142


1. Die Reinheit, des Jünglings Leuchte. Seite 1

„Die Leuchte deines Lebens,“ sagt der Heiland, „ist dein Auge. Ist dein Auge klar, so ist dein ganzer Körper licht.“ Und in der That: sicher und froh erfüllt unser Leib hienieden seine Aufgabe und wandelt mit Zuversicht seinem Ziele entgegen, so lange das Auge gesund, so lange es klar, so lange es der Aufnahme des äußern Lichtes fähig. „Ist aber dein Auge schlecht geworden,“ so fährt der Heiland fort, „so wird dein ganzer Leib finster sein;“ dann ist er unruhig, dann bangt ihm bei jeder Bewegung, dann bedrohen ihn bald Hindernisse, bald Abgründe, bald Räuber, oder wilde Thiere, bald andere Gefahren, die er nicht vorhersieht, denen auszuweichen er nicht im Stande ist.

Deine „Leuchte“, o Jüngling, ist die Reinheit. Sie ist die Leuchte deiner Seele. je vollkommener deine Reinheit, desto heller deine Seele, desto glänzender vor Gott, desto fähiger, das Bild des Allerhöchsten zu rückzustrahlen und jegliches Tugendlicht in sich aufzunehmen. Die Reinheit ist sogar, in wohlverstandenem Sinne, die Leuchte deines Leibes; sie verleiht ihm eine gewisse Klarheit, sie bekleidet ihn mit würdevoller Anmuth, sie prägt ihm etwas unbeschreiblich Himmliches auf, das zumal im Gegensatze zum erniedrigenden Laster sich wunderbar abhebt.

Erstaune deshalb nicht, wenn ich es unternehme, gerade diese Tugend dir einmal recht vor´s Auge zu führen und ihre Herrlichkeit gleichsam vor dir zu entrollen. Möchte sie dich dergestalt entzücken, daß du, um diese Perle zu erwerben, bereits seist, jeglicher Kampf zu wagen, jegliches Opfer zu bringen!

Bist du rein, so hast du Alles; so lange du es nicht bist, ist noch Alles zu thun, – dann fehlt noch Alles, dann fehlt jedenfalls das Wesentlichste, das Vorzüglichste, das Erlesenste. Bist du rein, – hast du deine Reinheit unversehrt bewahrt, hast du sie in heißem Ringen wiedergewonnen: so magst du ausrufen, wie´s im Buche der Weisheit steht: „Alles Gute kam mir zumal mit ihr, und unberechenbarer Gewinn ward mir duch ihre Hand.“

Noch war Ansgar ein Knabe; unstet und leicht war sein Sinn. Noch ahnte er kaufm den Ernst des Lebens. Die ersten Schlingen breiteten sich vor seinen Füßen aus: die Welt mit ihrem Tand fing an, um seine Gunst zu buhlen. Da machte ihn der Herr durch ein wunderbares Gesicht aufmerksam auf die nahende Gefahr. Es kamm ihm vor, als wandle er auf schlammigerm Pfade, und von recht sund von links ragten Dornen und hemmendes Gestrüppe in den Weg. Stets mühsamer ward´s voranzuschreiten. Und wie Ansgar das Auge erhebt, schaut er unweit von diesem Pfade ienen andern, – hell, eben, Hindernißlos; und auf ihm zieht schwebenden Schrittes eine Schaar lichter Trauengestalten einher, unter denen Eine heller erglänzt. Und sie winken ihm, zu ihnen zu kommen. – Ansgar verstand den Traum. Von nun an hütete er sorgfältiger seine Unschuld, ward ernster, mied die leichtfertigen Genossen und reifte so zu jenem heiligen Bischofe heran, den der deutsche Norden, den Skandinavien als seinen Apostel verehrt.

Kenntest du den Werth der Reinheit: wie sorgfältig würdest du darüber wachen, daß diese Leuchte sich nicht in Finsternis wandele! Wie glücklich bist du, so lange dein Herzensauge klar ist und ungetrübt! Jedoch – wehe, wenn es sich umnachtet!


2. Die Reinheit, gefeiert in der heiligen Schrift. Seite 4

Unerschöpflich ist die heilige Schrift im Lobe der Reinheit. Welche Begeisterung athmen, zum Beispiel, die so bekannten Worte des Buches der Weisheit: „O wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanze! unsterblich ist sein Andenken; bei Gott ist es offenbar und bekannt bei den Menschen. So lange es da ist, ahnt man ihm nach, und ging es dahin, so sehnt man sich darnach, und, in Ewigkeit Kronen tragend, feiert es den Triumph, weil es den Kampfpreis unbefleckten Streites sich errungen.“ –

O ja, welch unvergleichliche Schönheit wohnt der Unschuld inne! wie strahlt sie weithin! wie bezaubert und fesselt sie sogar das Auge des Irdischgesinnten! wie blicken Alle bewundern auf den Reinen, selbst die, welche zu feinge sind, ihm auf dem hellen Pfade zu folgen! Welche Berechnung zollt ihm die Mit- und Nachwelt! Wie steht er da, ein Mußter Allen, ein Sport für Alle! Und erst im Jenseits – welcher Lohn wartet seiner! Da schmückt ihn eine unsterbliche Krone, und ein Siegespreis wird ihm zu Theil, welcher dem harten Kampfe entspricht, den er hienieden gekämpft.

Und wiederum sagt die heilige Schrift: „Wer die Reinheit des herzens liebt, der hat zum Freunde den König.“ Aber den allerhöchsten König, den Allmächtigen, den Allheiligen, den Liebenswürdigsten, den Allerreichsten, den Freigebigsten zum Freunde zu haben, – welch ein Vorrecht! Und welche Güter werden dieser Bevorzugung entquellen! welch vertraulicher Verkehr wird da stattfinden, welche Annäherung, welches Einverständnis, welcher Austausch der innigsten Gefühle! O sagt es uns, ihr reinen Seelen, wie ihr Gott versteht, und wie er euch versteht, – wie warm euer Herz für Gott schlägt, und wie ihr es empfindet, daß Gottes Herz dem eurigen entgegenschlägt! Erzählt von euern Unterredungen mit Gottes Majestät, – wie er sich zu euch herabläßt, oder vielmehr, – wie er euch gleichsam hinanzieht an sein heiligstes Herz, um euch da gleich Johannes ruhen zu lassen, und dann – umwoben, so zu sagen, von Himmelsodem, für eine Weile wieder auf dieses Jammerthal zurückzusenden! – O Jüngling, bleibe, werde so ein Freund des himmlichen Königs, und due magst jegliche irdische Freunschaft missen!

Schon als Knabe hatte sich Joseph mit Abscheu von dem wüsten Treiben seiner ältern Brüder abgewandt. Eben deshalb, und weil er seinem Vater Anzeige gemacht, wird er der Gegenstand ihres hasses und geräth, von ihnen verkauft, als Sklave in das Haus eines reichen Ägyptiers. Eine Stunde schwerer Prüfung bricht über den edlen Jüngling herein. Das erbärmliche Weib des Butiphar stellt Joseph Schlingen: sie will ihn zur Sünde reizen. Aber Joseph läßt sein Obergewand in ihren Händen und enteilt. Wohl trifft ihn nun die Rache des ergrimmten Weibes: auf ihre Anklage wird er in´s Gefängnis geworfen. Allein, wenngleich im Kerker und unter dem Drucke der gräßlichsten Verleumdung mehr noch, als unter der Last der schweren Ketten seufzend, ist Joseph frei, – denn er ist rein, ist schuldlos. Und bald, vielleicht zum Lohne der in heißem Kampfe bewahrten Unschuld, verwandeln sich die Ketten in´s Diadem, und das Sklavenkleid in den königlichen Purpur, und Josephs Name, wahrhaft strahlend „im Keuschheitsglanze,“ lebt gefeiert fort in dem heiligsten aller Bücher und in der Errinerung aller edlen Menschen.

Heilige Tugend, herrliche Tugend, blende mit deinem Glanze mein Auge so, daß alles Irdische, und zumal alles niedrige Sinnliche mir wie schwarze Nacht erscheine!


3. Die Reinheit, verherrlicht durch Christi Beispiel. Seite 7

Wo wahre Hoheit, echte Liebenswürdigkeit, reinster Seelen- und Leibesadel, – wer wüßte es besser, als jesus, der Lauterste, Erhabenste, zugleich der Weiseste, der alle Dinge in ihrem Werthe durchschaut, den Irdisches nicht besticht, vor welchem Form und Wesen, Äußeres und Inneres gleich unverhüllt daliegen? – Zu wem zog es, während seiner irdischen laufbahn, den Menschensohn unwiderstehlicher hin, als zu den Reinen? War seine Mutter nicht eine Jungfrau? und sein Nährvater nicht der jungfräuliche Joseph? – blicke hin und siehe, wie er sich zu den Kindern herabläßt. In ihrer Mitte fühlt er sich gleichsam in´s Paradies, in seine himmlische Heimat, zu seinen himmlichen Boten, den Englen, versetzt.

„Die Kleinen,“ ihrer ist ja das Himmelreich.“ So liebkos´t er, ihnen legt er die Hände auf, sie segnet er. Die Unschuld zu schützen, spricht er fürchterlichen Fluch über den Ärgernisgeber und Verführers. Jünglinge zieht er an sich heran, belehrt er mit Vorliebe, unterweis´t er in der Vollkommenheit, beschenkt er mit seinen bestgemeinten Rathschlägen. –

Zu wessen Gunsten wirkte er die größten der in den heiligen Büchern verzeichneten Wunder? Denke an den Jüngling von Raim, denke an den jugendlichen Lazarus, denke an das Töchterlein des Iairus. – Und erst seine Vorliebe für den jungfräulichen Johannes. Wie nahe durfte dieser reine Jüngling dem reinen Jesus treten! welcher Vertraulichkeit wurde er gewürdigt! Ihn findest du auf Tabor, bestrahlt vom Lichte der Verklärung; ihn im Speisesaale an der Brust des Gottmenschen; ihn zu Gethsemani, als Zeugen des beginnenden Leidenskampfes; ihn, den einzigen, dann freilich auch unter dem Kreuze, berieselt fast vom Blute seines vielgeliebten Meisters. Und hier, – o lehrreihes und bedeutungsvolles Ereignis -, nimmt der Jungfräuliche die jungfräuliche Gottesmutter Kraft göttlichen Vermächtnisses in Empfang, – wird ihr Sohn, ihr Beschützer, mit einem Wort ihr Alles – an Jesu Statt.

Darüber denke nach, o Jüngling, Willst due ein Liebling Jesu werden? dazu bedarf´s nur Eines: sei rein. Nicht Reichtum oder hohe Abkunst, nicht Talente oder körperliche Schönheit, nicht Menschenlob und Erdenruhm befähigen dich dazu, ein Liebling Jesu zu sein; nur Eins ist nothwendig, und ies genügt: sei rein.

Edmund, der später so hochberühmte Erzbischof von Canterburn, hatte eine überaus fromme Mutter, mit Namen Mabila. Sie erzog ihre Kinder in der größten Gottesfurcht und Unschuld. Als sie Edmund, welcher damals noch sehr jung war, mit seinem Bruder Robert an dei Universität Paris schickte, gab sie Beiden, um sie an die Nothwendigkeit der Abtödtung zu erinnern, ein härenes Bußgewand mit und bat sie, es einige Male in der Woche zu tragen; „denn,“ sagte sie, „in dieser großen Stadt und inmittesn einer so ausgelassenen Jugend warten Euer schwere Kämpfe, und doch will ich, daß Ihr mir rein wiederkommet, wie Ihr rein fortgehet.“ Und wenn sie später Kleidungsstücke oder sonst etwas zu Edmunds oder Roberts Bedarf schickte, legte sie regelmäßig auch irgend ein Bußwerkzeug bei. Und wie entsprach Edmund dieser mütterlichen Sorge! Ja – er wußte es, daß die reine Lilie der Unschuld durch Dornen will umzäumt sein. Übrigens hatte Edmung schon in seinem neunten Lebensjahre dem Herrn ewige Jungfräulichkeit gelobt. Zu allen Versuchungen pflegte er stets Maria anzurufen, und versicherte später, daß ihm dies immer Hülfe gebracht. Leichtsinnigen Jünglingen wich er sorgsam aus. Und als er einstmals, so erzählt die Legende, sich wiederum von Genossen trennte, deren Reden anfingen, zu Bösem anzuschweifen: da begegnete ihm ein lieblicher Knabe, auf dessen Stirne in flammenden Buchstaben der Name Jesus glänzte. „Weil du Jene meidest,“ sprach die himmliche Erscheinung, „so suche ich dich auf.“ Und Edmund empfing erhabene Lehren und ward in seinem Vorhaben gekräftigt, Herz und Sinne rein zu bewahren, um seines himmlichen Freundes nicht verlustig zu gehen.

O möchte auch diech, o Jüngling, die Lauterkeit deines Denkens, Fühlens, Redens und Handelns zum besondern Freude deines Herrn und Meistern machen! Wohl beehrt die Welt mit ihrer Freundschaft nur Jene, die ihr gleichen und äußerer Vorzüge sich erfreuen: allein der Heiland, der liebenswürdige, reiche und freigebige, will dein Freund sein, – verlangst du mehr?


4. Die Reinheit, gepriesen von den Lehrern der Kirche. Seite 11

Unerschöpflich sind die heiligen Väter, sind die kirchlichen Schriftsteller und Lehrer des geistlichen Lebens im Lobe der Reinheit. Wie herrlich lautet das Lob Tertullian´s: „Die Reinheit ist der Glanzpunkt aller Sittlichkeit, die Würde der Leiber, der Schmuck der Geschlechter; sie ist der Stützpunkt allerHeiligkeit, sie bereitet allem geistig Guten den Boden; sie ist zwar etwas Seltenes, auch findet sie sich kaum irgendwo in ihrer höchsten Vollendung oder ohne jegliche Unterbrechung; dennoch fehlt sie nicht ganz auch auf dieser Erdenwelt, sei es, daß eine glückliche Naturanlage zu Hülfe kömmt, sei es, daß Selbstbeherrschung es dahin gebracht, oder strenge Einschreiten die Oberhand errungen.“

Und der heilige Athanasius: „Eine erhabene Tugend ist die Enthaltsamkeit, etwas gar Herrliches die Reinheit, überaus lobwürdig die Jungfräulichkeit. O unbeschreibliche Reichtümer der Reinheit! O Reinheit, du unverwelkliche Krone! O Reinheit, du Tempel Gottes und Wohnstätte des heiligen Geistes! O Reinheit, du kostbare Perle, die, den Menschen verborgen, nur von Wenigen entdeckt wird! O Enthaltsamkeit, du Freundin Gottes, – du, bei den heiligen in so hohen Ehren! O Enthaltsamkeit, den Alltagsmenschen rätselhaft und unbekannt, Jenen aber, die deiner wert sind, um so bekannter! O Reinheit, die dem ewigen Tode und der Hölle entgeht, an deren Fersen sich die Unsterblichkeit heftet! O Enthaltsamkeit, du Freude der Propheten, du Ruhm der Apostel! O Reinheit, du Leben der Engel, du Schmuck heiliger Menschen! Selig, wer dich besitzt, – selig, wer in Geduld und Beharrlichkeit sich dir anvermählt; denn nach kurzer Kampfesmühe wird er um deinetwillen reichen Lohn finden! Selig, wer in dieser Lebenszeit zu entsagen gewusst; denn seine Wohnung wird das ewige Jerusalem sein, und er wird mit den Engeln frohlockend einherziehen und mit den heiligen Propheten und Aposteln sich der ewigen Ruhe freuen!“
Und der heilige Eyprian: „Die Züchtigkeit bringt den Leib zur Würde, ziert die Sitten, heiligt die Geschlechter. Die Reinheit bedarf keines anderen Schmuckes, – sie ist ihr eigener Schmuck. Sie ist´s, die uns dem Herrn angenehm macht, die uns mit Christus auf´s Engste verknüpft; sie hält von unsern Gliedern die unordentlichen Kämpfe wilder Begierlichkeit fern und bringt unsern Leibern Frieden. Glücklich ist sie und macht glücklich.“

Gelüstet es dich nicht nach solchen Gütern, o Jüngling?

Gregor von Razianz hatte einst als Jüngling einen geheimnisvollen Traum. Vor ihm standen zwei Frauengestalten von wunderbarer Schönheit, deren eine die Keuschheit, die andere die Mäßigkeit darstellte. Sie liebkosten den Jüngling, als ob er ihr Kind wäre, und luden ihn ein, mit ihnen zu kommen. „Geh mit uns,“ sprachen Sie, „und wir werden dich bis zum Strahlenthrone der hochheiligen Dreifaltigkeit geleiten.“ Und dass Gregor mit ihnen ging, und dass er zu einer überaus erhabener Kenntnis göttlicher Dinge gelangte, bezeugt der Beiname des „Theologen,“ das heißt, des Kenners und Lehrers göttlicher Dinge, unter welchem er der Nachwelt bekannt und von ihr gefeiert ist.
Es darf dich auch keineswegs verwundern, dass ein reines Herz geeigneter ist, Erhabenes zu schauen und zu erfassen: sieht ja auch durch ein beschmuktes Glas das Auge nur sehr unvollkommen oder gar nicht.


5. Die Reinheit, verehrungswürdig in sich. Seite 14

Die heilige Schrift nennt die Reinheit schlechthin „Heiligkeit“: „Dies ist der Wille Gottes, eure Heiligung, – dass ihr abstehet von Unlauterkeit, dass jeder von euch sein Gefäß, das ist, seinen Leib, in Heiligkeit und Ehre zu bewahren wisse; denn Gott hat uns nicht berufen zur Unsauberkeit, sondern zur Heiligung.“
Wer ist rein? Wer mit der ganzen Macht seines Willens sich von Allem abwendet, was zu den niedrigen, sinnlichen Trieben in Beziehung steht; wer, in vollem Einklange mit den heiligen und weisen Absichten des Schöpfers, das Fleisch dem Geiste unterordnet; wer Vorstellung und Gedächtnis, Denken, Wollen und Fühlen, Auge, Ohr, Mund und Hand mit einem Worte alle innern und äußeren Sinne, alle Glieder seines Leibes der Dienstbarkeit der niedrigen Trieben nach Kräften entzieht – und, so viel es nur irgend möglich ist, gleichsam leiblos im Leibe lebt.

Du bist also rein, o Jüngling, wenn du, trotz aller Anregungen zum Bösen, trotz der unverschuldeten Empörungen, ja trotz der vom niederen Menschen angestrebten Obmacht dich jedes Entgegenkommens, jeder Einwilligung, jeder Zustimmung, jedes Einverständnisses, jeder Mirtwirkung enthältst – und, über all dem Gewoge der dich umtosenden Leidenschaft stehend, wie ien unerschütterter Leuchturm stest, aufrecht, lichtstrahlend, die Finsternisse zu deinen Füßen bwältigend, emporragst und himmelan strebst.

Das geht über menschliche Kraft, denkst du. Nicht doch. So Viele haben es gekonnt, warum nicht du? Du sollst es auch nur unter dem mächtigen Beistande der göttlichen Gnade.

Wenn´s aber schwer, wenn´s beinahe übermenschlich: dann bemiß die Erhabenheit, die Schönheit einer Tugend, die uns Dem nahe bringt, der „ganz Geist ist,“ – Gott selber, dem unerschaffenen Geiste, dem Lautersten, Reinsten, Heiligsten!

….. weiter Seite 16

Die noch fehlenden Seiten werde ich zeitnah eintippen. Frankfurt am Main, 17.2.2016.


6. Die Reinheit, erhaben in ihren Beziehungen zu den Englen. Seite 18


7. Die Reinheit, ruhmreich durch die Kämpfe, welche sie bewahren oder wiedergewinnen. Seite 21


8. Die Reinheit, ein kostbares, aber zerbrechliches Gefäß. Seite 25


9. Die Reinheit, eine Lilie. Seite 29


10. Die Reinheit, eine Perle. Seite 32


11. Die Reinheit, die Frucht heiliger Furcht Gottes. Seite 36


12. Die Reinheit, die Frucht hochherziger Liebe Gottes. Seite 40


13. Die Reinheit, die Frucht zarter Aufmerksamkeit auf das Gewissen. Seite 43


14. Die Reinheit, die Frucht beharrlicher Wachsamkeit. Seite 46


15. Die Reinheit, die Frucht ernster Strenge . Seite 50


16. Die Reinheit, die Frucht des Gebetes. Seite 54


17. Die Reinheit, die Frucht des heiligen Bußsakramentes. Seite 58


18. Die Reinheit, die Frucht kindlicher Offenheit. Seite 61


19. Die Reinheit, die Frucht des Brodes der Engel. Seite 66


20. Die Reinheit, die Frucht des Andenkens an das bittere Leiden Jesu. Seite 70


21. Die Reinheit, die Frucht der Hingabe an das heiligste Herz des Erlösers. Seite 74


22. Die Reinheit, die Frucht der Kenntnis und Verehrung der reinsten Jungfrau. Seite 77


23. Die Reinheit, die Frucht der Nachahmung der Heiligen. Seite 81


24. Die Reinheit, die Frucht tiefwurzelnden Abscheu´s gegen jegliche Unlauterkeit. Seite 85


25. Die Reinheit, die Frucht der Weltverachtung. Seite 89


26. Die Reinheit, die Frucht der Vorsicht im Verkehre mit den Menschen. Seite 92


27. Die Reinheit, die Frucht der Arbeitsamkeit. Seite 95


28. Die Reinheit, die Frucht unablässigen Kampfes. Seite 100


29. Die Reinheit, die Frucht großmüthiger Selbstüberwindung. Seite 105


30. Die Reinheit, die Quelle wohlthuendsten Friedens. Seite 109


31. Die Reinheit, die Quelle heiligen Frohsinns. Seite 112


32. Die Reinheit, die Quelle vielfacher irdischer Segnungen. Seite 117


33. Die Reinheit, die Quelle geistiger Frische und Kraft. Seite 120


34. Die Reinheit, die Quelle heilsamen Einflusses auf Andere. Seite 124


35. Die Reinheit, die Quelle richtiger Entscheidung, anlagend die Zukunft. Seite 129


36. Die Reinheit, die Quelle trostreicher Erinnerungen in späterem Alter. Seite 134


37. Die Reinheit, die Quelle besonderer Erleichterung in der ernsten Sunde des Hinganges. Seite 138


38. Die Reinheit, die Quelle vorzüglicher Verherrlichung im Reiche der Glorie. Seite 142

Gebet
um die Gnade der Reinheit.

O Du heilige, Du allerreinste Jungfrau! O heiliger Joseph, du jungfräulicher, ehrwürdiger Bräutigam Mariä! OIhr reinnen Himmelsgeister, und zumal Du, mein heiliger Schutzengel! O heiliger Aloisius, Sanislaus, Johannes, und Ihr anderen jugendlichen Heiligen alle, die Ihr euch durch die Reinheit ausgezeichnet: O seht zu Euerem Füßen einen Jüngling, der gern rein sein und Euch ähnlich werden möchte! Allein – es wird mir schwer; die Leidenschaften gähren, die Welt lockt, Satan stellt mir nach. Wenn Ihr nicht helfet, werde ich wohl nie erreichen, woran, wie ich gar wohl weis, viel, ja Alles gelegen ist. So bittet denn für mich bei Gott um reichliche Gnaden; kommt mir in den Versuchungen zu Hilfe; erlangt mir Kraft, den Gelegenheiten möglichst auszuweichen und alle jene Mittel beharrlich anzuwenden, ohne deren Gebrauch die Reinheit ganz unmöglich ist. O möchte es mir gelingen, Euern Fußstapfen folgend, so fleckenlos, meine irdische Laufbahn zurückzulegen, da ich dereinst zu Euch, in den Himmel der Reinen, komme. Amen.

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